Amsterdam: Einblick in das dynamische Startup-Ökosystem der Niederlande

Die niederländische Hauptstadt hat sich als ein wichtiger Hub für innovative Unternehmen etabliert und beeindruckt mit einer Vielzahl Tech-Unicorns. Startups werden von städtischen Abteilungen smart unterstützt. Der niederländische Gründergeist geht zurück auf die Zeit der Seefahrer.

Einmal pro Jahr darf ich für das CAS Digital Masterclass der Hochschule für Wirtschaft Zürich HWZ eine Startup-Study-Tour organisieren. Dank dieser Touren darf ich internationale Startup-Hubs kennenlernen, von erfolgreichen Unternehmer:innen lernen und mein Netzwerk erweitern.

Die diesjährige Tour hat uns nach Amsterdam geführt, nachdem wir in den letzten Jahren in Tel Aviv, Stockholm, Tallinn und London waren. Amsterdam hat neben Picnic, JustEat Takeaway, Booking.com, Mollie oder Adyen etwa 20 weitere Tech-Unicorns hervorgebracht. Zudem findet mit der TNW Conference eine der wichtigsten Tech-Konferenzen in Amsterdam statt.

Die Niederlande haben eine langjährige Geschichte des Unternehmertums, die in der DNA des Landes fest verankert ist. Diese Tradition des Unternehmergeistes geht auf das Goldene Zeitalter der Niederlande im 17. Jahrhundert zurück, als das Land eine führende Seemacht und ein wichtiges Handelszentrum war. Diese Seefahrertradition und der damit verbundene Handelssinn haben eine Kultur des Risikoeingehens und des Aufbaus innovativer Geschäftsmodelle geschaffen.

Auf unserer Tour haben wir immer wieder gehört, dass sich die niederländische Kultur durch Offenheit, Pragmatismus und den Willen auszeichnet, bestehende Konventionen herauszufordern. Es herrscht ein Klima, in dem neue Ideen und kreative Lösungen willkommen sind. Diese "Challenge-the-status-quo"-Mentalität hat dazu beigetragen, dass viele Startups in Amsterdam entstanden sind. Unternehmerinnen und Unternehmer werden ermutigt, Risiken einzugehen und innovative Lösungen für bestehende Probleme zu finden. Ähnliche kulturelle Eigenschaften haben wir auch auf unseren Reisen nach Schweden, Estland und Israel gehört.

Niederlande: international by design

Wie auch in Schweden, Estland und Israel ist das Bildungsniveau hoch und die Niederländer:innen beherrschen Englisch im Durchschnitt viel besser als Schweizer:innen. Das erleichtert ausländischen Talenten das Einleben, aber natürlich auch den Niederländer:innen die internationale Vernetzung.

Darüber hinaus spielt die geografische Lage der Niederlande eine wichtige Rolle. Das Land ist hervorragend mit anderen wichtigen Geschäftszentren wie London, Paris und Berlin vernetzt. Amsterdam-Schipol ist der drittgrösste Flughafen der Welt (nach internationalem Passagieraufkommen), was den internationalen Handel erleichtert.

Die Lebensqualität in den Niederlanden ist sehr hoch. Das Fahrrad ist das bevorzugte Verkehrsmittel - nicht nur in den Städten, sondern auch für Überlandfahrten. Der öffentliche Verkehr ist sehr gut ausgebaut. Wie in der Tube in London löst man ein Ticket ganz einfach, indem man sich beim Betreten des Trams oder Bahnhofs mit der Kreditkarte kontaktlos eincheckt.

Die limitierte Wohnfläche und stetig steigende Mieten wirken der Lebensqualität entgegen. Startups mit wenig Geld könnten versucht sein, aufgrund der hohen Lebenskosten in einer günstigeren Stadt zu gründen, und internationale Talente könnten von den Kosten abgeschreckt werden. Andererseits sind erfolgreiche Startups mit ihren hohen Löhnen natürlich auch mitschuldig an den hohen Mieten.

Professionelle Startup-Unterstützung vom Staat und Städten

Die niederländische Regierung hat eine starke Innovationspolitik und setzt sich aktiv dafür ein, Unternehmertum und Startup-Initiativen zu fördern. Mit Impact City Den Haag oder Startup Amsterdam fördern in den beiden Städten ganze munizipale Abteilungen innovative Startups - so erfolgreich, dass die Ziele der ersten Projektphase von 2015-19 (Zugang zu Kapital, Kunden, Talent, Märkten, und ein Startup-minded Umfeld) als erfüllt betrachtet werden können. Heute fokussiert Amsterdam die Unterstützung vor allem auf Startups, die gesellschaftliche, städtische und ökologische Herausforderungen lösen. Damit soll die Stadt zum sozialsten Innovations-Hub Europas werden.

Das Ökosystem wird erwachsen

Die hohe Anzahl an Tech-Unicorns, die etwa 49’000 durch einheimische Tech-Startups geschaffenen Jobs und die EUR 1.9mia. VC-Funding 2021 sind eindrückliche Belege für das reifer werdende Ökosystem. Bei einem Besuch in Amsterdam fällt sofort auf, dass die Startup-Szene viel professioneller aufgestellt ist als z.B. in Zürich, wo auch heute noch Business Angels mit Taschenspielertricks die Bewertungen von Erstgründer:innen unfair senken wollen. Andererseits muss auch klar festgehalten werden, dass das Startup-Ökosystem der Niederlande noch nicht auf einem Level von Berlin, Tel Aviv oder San Francisco ist.